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Aus aktuellem Anlaß – dem Bau des Nationalparkzentrums "BIOS – Alpines Leben Mallnitz" - möchten ich Ihnen die Geschichte der "Villa Liebermann" näherbringen. Dieser Text wurde von Herrn Erich J. Glantschnig verfaßt und ist in der Folge 2 der Mallnitzer Nachrichten erschienen.

Edmund von Mojsisovics und seine Villa

Hoch ragen die Kräne über die verwinkelten Dächer der Liebermannvilla auf und künden vom hastigen Getriebe der sie umgebenden Baustelle. Das dort entstehende Nationalparkzentrum "BIOS" wird auch der Villa selbst wieder Leben einhauchen und sie aus ihrem Dornröschenschlaf wiedererwecken.Zu viele Jahre fristete sie ein unwürdiges Dasein als Arbeiterunterkunft, Garage, Bauhof und Mülldeponie, Jahre, die ihre Spuren an diesem herrschaftlichen Bau als tiefe Wunden hinterlassen haben.

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Edmund von Mojsisovics

Die Liebermannvilla ist ein Relikt aus einer anderen Zeit, der sogenannten "guten, alten Zeit", als der Urlaub noch Sommerfrische hieß und man die Gäste noch mit Herrschaften ansprach. Ob diese Zeit tatsächlich so gut war, sei hier dahingestellt, nur allzu gerne neigen wir dazu, die Vergangenheit mit einem verklärten Blick zu betrachten, doch eines scheint Gewißheit zu sein, wir haben es verlernt, mit den Zeugnissen dieser Zeit umzugehen. Wie sonst wäre der leichtfertige Umgang mit diesem Kulturgut erklärbar, und wie sonst wäre der einstmals so glanzvolle Bau so elend verkommen.
Begonnen hat alles vor mehr als hundert Jahren, als Mallnitz als Fremdenverkehrsort entdeckt wurde. Die Sehnsucht der städtischen Bevölkerung nach unberührter, Erholung bringender Natur war auch schon damals groß, und Mallnitz hatte all dies im Überfluß zu bieten. Rasch war eine Gästeschar jährlich in Mallnitz versammelt, und ein Blick in die Gästebücher des Gasthauses "Drei Gemsen" verrät, daß es sich dabei zumeist um Leute aus der sogenannten besseren Gesellschaft aus Klagenfurt, Wien, Triest, oder Prag handelte, die oftmals für Monate hier Quartier nahmen. Nicht wenige Grafen, Baron, sogar Fürsten mit manch klingendem Namen waren darunter. Graf Albert Wolkenstein und Fürstin Clothilde Orsini – Rosenberg ließen sich sogar während Ihrer Ferien in der Mallnitzer Pfarrkirche trauen. Die Sommerfrischler waren in den Kreis der Einheimischen integriert, und auch die großen Familien Obervellachs gesellten sich gerne dazu. Einer darunter war der Obervellacher Dr. Carl Gussenbauer, der in Prag und später als Nachfolger Billroths in Wien einer der führenden Chirurgen seiner Zeit war und der stets seiner Heimat verbunden blieb und Obervellach ein großer Förderer wurde. Gussenbauer liebte aber auch Mallnitz und seine Bergwelt, und er wurde nicht müde in Wien seinen Bekannten davon zu berichten. So wohl auch seinem Freund Dr. Edmund von Mojsisovics Edler von Mojsvár.
Mojsisovics, geboren am 18. Oktober 1840 in Wien, war ein typischer Vertreter des städtischen Adels mit humanistischer Bildung und einer tiefen Sehnsucht im Herzen nach unberührter Natur und den Bergen. 1858 immatrikulierte er an der juridisch – politischen Fakultät an der Universität in Wien, wechselte jedoch, getrieben durch seine Liebe zu den
Bergen, sehr rasch zur Geologie. Schon während seiner Studienzeit zählte er 1862 zu den Gründungsmitgliedern des Österreichischen Alpenvereins und 1873 zu den Hauptinitiatoren der Vereinigung des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Seine steile berufliche Karriere an der k. k. Geologischen Reichsanstalt begann 1865 als Volontär und endete in der Position des Vizedirektors, ausgestattet mit dem Titel und dem Charakter eines Hofrates. Zahlreiche
Standardwerke vor allem zur Geologie der Ostalpen stammen aus seiner Feder. Auch mit der Montanindustrie der Ostalpen ist er wiederholt in Verbindung getreten, er bekleidete für etliche Jahre auch das Amt des Präsidenten der Trifailer Kohlewerks – Gesellschaft.
Mallnitz und seine Bergwelt lernte Mojsisovics bereits in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts kennen und lieben. Erste Touren führten ihn auf Ankogel und Hochalmspitze, und beinahe alljährlich kehrte er nach Mallnitz zurück um hier seine Sommerfrische zu verbringen, auch um in der Nähe seines Freundes Gussenbauer zu sein. Nach seinem Übertritt in den Ruhestand (1900) ging er schließlich daran, sich in Mallnitz seine eigene Villa zu errichten. Das dafür notwendige Grundstück wurde mit großer Sorgfalt ausgewählt. Wer einmal aus den Fenstern der Villa den überwältigenden Ausblick auf Ankogel und Geisel erlebt hat, der weiß, warum es gerade dieser Standort sein mußte. Die etwas erhöhte Lage der Villa erlaubte zudem auch – über die damals noch niederen Bäume hinweg – auf Mallnitz zu blicken. Die Villa selbst verrät den typischen Villenbaustil der Jahrhundertwende. Ein Teil des kostbaren Baumaterials,
vor allem die Marmorblöcke für die Ballustraden, die Fenster – und Türumrahmungen sowie für die Treppen im Haus und im Garten, mußten eigens mit Pferdefuhrwerken ins Tal gebracht werden. Staunend muß die Mallnitzer Bevölkerung diesen herrschaftlichen Bau aufwachsen gesehen haben, zumal zu jener Zeit die meisten Häuser in Mallnitz noch sehr nieder, vielfach immer noch aus Holz gefertigt waren. Das Gelände vor der Villa wurde in mehrere Terrassen geebnet, die von wuchtigen Zinnen, beziehungsweise von feinen, venezianisch anmutenden Säulenballustraden umsäumt waren. Ein mächtiges, bronzenes Reiterstandbild zierte die Zufahrt, und an der Rückseite der Villa schmiegte sich eine Balustrade um ein rundes Wasserbecken, in dessen Mitte eine bronzene Nixe einen Fisch in ihren Armen hielt, aus dessen Maul eine hohe Wasserfontäne in den Himmel schoss, während die grün lasierten Firstziegel des Daches im Sonnenlicht glänzten. Eine breite geschwungene Treppe führte in den gepflegten Park, in welchem Koniferen aus allen Erdteilen wuchsen. Im Arkadenbogen über der Treppe zum Eingang der Villa waren die verschlungenen Initialen des Hausherrn eingemeißelt, und das Familienwappen sowie der Österreichische Doppeladler prangten an den Flanken des Faßadenrisalites. Der in den Fussboden eingelegte Schriftzug "SALVE" begrüsste den Eintretenden, bevor dieser noch der großformatigen Ölgemälde und der Ritterrüstungen im
grosszügigen Treppenhaus gewahr wurde. Die Zimmer und Salons waren mit geschnitzten Zirbenholzvertäfelungen, Teppichen, kostbarem Mobiliar und aufwendig verzierten Kachelöfen ausgestattet. Die üppigen, mit Quasten und Spitzen besetzten Polstermöbel standen unter Jagdtrophäen, Gemälden und geschnitzten Reliefs. Eine kleine aber kostbare Kunstsammlung hatte Mojsisovics zusammengetragen, die bei Kennern durchaus Bewunderung hervorrief. Ein
Speiseaufzug verband die gewölbten Kellerräume, in welchen gewiß so mancher gute Tropfen Wein gelagert war, mit den Salons der oberen Geschosse, und hölzerne Rolläden vor den Fenstern schützten vor allzu intensiver Sonneneinstrahlung im Sommer.
Es war eine kleine Welt für sich, welche sich Edmund von Mojsisovics und seine Frau hier in einem landschaftlichen errichtet hatten. Leider war es ihm nicht vergönnt die Vorzüge seiner Villa lange zu geniessen, denn bereits im Herbst des Jahres 1906 wurde ein vermeindtlich harmloses Halsleiden als Krebs diagnostiziert. Nach einem Jahr des qualvollen Leidens verstarb Edmund von Mojsisovics am 20. Oktober 1907, nicht ohne seinem geliebten, im abendlichen Licht der untergehenden Sonne glänzenden Ankogel ein letztes Mal zuzuzwinkern. Wie uns der damalige Obmann der Alpenvereinssektion Mallnitz, Herr Oberlehrer Leopold Lackner, überlieferte. Seine Witwe heiratete erneut, einen Liebermann, wodurch die Villa auch ihren heutigen Namen erhielt. Gemeinsam mit dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein setzte sie ihrem Mann ein Denkmal entlang des Hengstenbergweges hinter der Villa, welches gemeinsam mit der nach ihm benannten Mojsisovics – Spitze an diesen bemerkenswerten Wahlmallnitzer erinnert.

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